Jakob Augstein und die Mär von einer indigenen, autochthonen weißen Gesellschaft

 



„Für wen schreibe ich das und von welchem Standpunkt aus. "Check your privilege", sagt man im Amerikanischen. Ich schreibe natürlich für eine autochthone, hauptsächlich weiße, bürgerliche Leserschaft, die sich darüber Gedanken machen muss, wie sie die offene Gesellschaft am Leben erhält. Und das eigene Ressentiment, die Vorurteile gegen Ausländer, gegen andere Religionen sind ein alter Feind der offenen Gesellschaft.

Sie kennen andere Feinde - weil Ihr Hintergrund ein anderer ist, Ihr Blickfeld ist anders.

Das bedeutet, Sie sehen mich gegen die Gegner vorgehen, die ich kenne und beklage, und dass ich denen, die Sie kennen, dabei den Rücken zukehre.

So ist das aber, wenn man in einem Gefecht ist, wo die Feinde von zwei Seiten kommen können - wenn ich das mal so militärisch sagen darf.“    (Jakob Augstein)

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/salafisten-journalistin-sounia-siahi-reagiert-auf-augstein-kolumne-a-991888.html

 

 

Mein lieber Scholli,

da hat sich der werte Jakob Augstein mal wieder so ein richtiges Ei gelegt. 'Wähle Deine Worte mit Bedacht, oder hüte Deine Zunge' wäre man geneigt, ihm immer wieder mal ans Herz zu legen.

Was ist passiert?

Die selbsternannte "Salafisten-Polizei" des einschlägig bekannten Sven Lau, sowie die Reaktion auf diese bewußte Provokation bemüßigte ihn, dieses Szenario in seiner Spiegel-Kolumne zu verwursteln. Man kann ihm ja sogar insoweit zustimmen, dass man nun nicht gleich den Notstand ausrufen muss, wenn so ein paar salafistische Hinterhofmachos durch die öden Fußgängerzonen des Ruhrgebiets streifen und versuchen, den Larry raushängen zu lassen.
Man muss bei so etwas nicht überreagieren, aber reagieren muss man auf jeden Fall.

Reagiert hat nun auf diese Kolumne eine junge Journalistin. Muslima, sogar von diesen Scharia-Cops selbst betroffen, macht ihren eigenen Standpunkt als "Opfer" klar, was den werten Herrn Augstein, entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten, solche Widerreden schweigend auszusitzen, doch tatsächlich zu einer Antwort veranlasst. Und die hat es in sich, im wahrsten Sinne des Wortes.

Man liest, Herr Augstein ist von der Zuspitzung des Anti-Islamismus in diesem, seinem Lande beunruhigt. Das freut einen zu hören, denn das geht ja nun nicht nur ihm so. Und er möchte nicht, dass man, vor allem er, irgendwann einmal vor der Situation steht, Position beziehen zu müssen. Er nennt es zwar "Seite", kommt aber auf dasselbe hinaus. Nun das kann man irgendwie nachvollziehen, dass ihm dieses zuwider ist, denn klare Position für das eine oder das andere hat Herr Augstein noch nie bezogen. Kann man ihm nicht vorwerfen, manche Menschen sind eben lieber wie Glibber, der sich allen Situationen anpasst und auch noch durchs kleinste Schlupfloch passt. Und weil ihm da der vermeintliche Anti-Islamismus nicht als Ausrede reicht, müssen dann auch noch der Nahost-Konflikt und die Ukraine herhalten. Man denkt eben global.

Nur darum geht es Sounia Siahi nicht. Sie möchte nur in Augsteins Landen so frei leben, wie es ihr möglich ist und wie es ihr auch unsere Verfassung zumindest auf dem Papier garantiert und nicht von durchgeknallten Fanatikern auf offener Straße belästigt, beleidigt und in die Enge getrieben werden. Ein Wunsch, der eigentlich auch einem Jakob Augstein einleuchten müsste, denn egal, ob nun Muslima oder nicht, jede Frau muss für sich in Anspruch nehmen dürfen, zu leben, wie sie möchte, sich zu kleiden, wie sie möchte und sich aufzuhalten, wo sie möchte, ohne dabei von irgendwelchen selbsternannten Moralaposteln oder fanatisch religiösen Neanderthalern belästigt zu werden.

Das scheint nun Jakob Augstein ganz anders zu sehen. Siahis "Feinde" seien nicht seine Feinde, denn schließlich schreibe er ja für eine "autochthone" Gesellschaft, eine autochthone "weiße" Gesellschaft!!!!!!!!!!!!

Hui!

Das mit der autochthonen Gesellschaft, das muss man sich mal so richtig auf der Zunge zergehen lassen. Wenn mich nicht alles täuscht, nannte man das vor gar nicht langer Zeit hierzulande noch arisch oder germanisch.
Kann man sehen, wie man will, aber vielleicht sollte der werte Herr Augstein beim Schreiben nicht nur autochthon, sondern vielleicht auch manchmal allochthon denken? Dann würde er vielleicht ja die Nöte der Frau Siahi besser verstehen.
Aber nein, er setzt noch einen drauf. Nach dem Motto "Check your privilege" weist er Frau Siahi darauf hin, dass er gerne eine offene Gesellschaft möchte, ohne Ressentiments (sehr lobenswert) und unterstellt ihr aber gleichzeitig durch die Blume, dass sie als Muslima Ressentiments gegen ihre eigene Religion hege, wenn sie sich offen gegen das Vorgehen dieser ‚lauen‘ Salafistentruppe wehrt. Anders ausgedrückt, sagt er ihr: Das musst du in meinen, also Augsteins freien Landen als Muslima aushalten, dass man Dich beleidigt und bedroht, wenn Du Dich nicht entsprechend gekleidet auf die Straße trauen willst.

Im Grunde genommen ist diese Antwort Jakob Augsteins nicht nur gnadenlos arrogant, sondern geradezu eine bodenlose Frechheit.


gvg    

 


PS: Nun hat Der SPIEGEL diese Rede und Widerrede auf der Spiegel-online Seite auf facebook zur Diskussion freigegeben und natürlich kocht die „Volksseele“, egal welcher Richtung sie sich nun gerade zugehörig fühlt. Kann man alles lesen, muss man nicht alles lesen.

 

Eine andere Diskussion, wesentlich ruhiger und sachlicher und vor allem eine, die sich auch mit den, doch etwas kruden Gedankengängen Augsteins auch in Hinblick auf die Begriffe, wie „indigen“ und „autochthon“ befasst, hat sich auf meiner eigenen Facebook-Seite (Auszüge dessen, die sich mit dem Thema direkt auseinandersetzen)

https://www.facebook.com/georg.vongrote/posts/278646125660246?comment_id=278976382293887&offset=0&total_comments=9&notif_t=share_comment

entwickelt:

 

  • Christine Quindeau Ich hab die Antwort von Augstein sehr gern gelesen. Er sagt doch nur, er schreibt nicht an und für alle, sondern zielt dahin, wo er in seiner Gesellschaftsschicht (sofern es die gibt, er scheint mir doch so viele Vorzüge auf sich zu vereinen, dass es schwierig sein dürfte, auch nur eine Gruppe von ähnlich Bevorzugten zu finden) die größere Gefahr sieht. Es ist nachvollziehbar und ehrenwert die Eingeschränktheit seiner subjektiven Sicht transparent und sich damit angreifbar zu machen.
    Ich fand es auch durch und durch richtig, die Ambivalenz stehenzulassen.
    Wegen dieser Ambivalenz hab ich den Artikel nicht gelobt, weil ich mir dachte, für uns stimmt das, aber ich weiß nicht, wie bedrohlich es sich anfühlt, wenn man betroffen ist. Also nicht zu wissen, was letztendlich und für alle richtig ist, ist doch bei den meisten Themen inhärent. Wir sind nicht Gott. Ich mag dieses Offenlegen, unter welchen Prämissen man schreibt sehr (find ich sozusagen wissenschaftlich sauber^^, auch wenn das hier nicht ganz passt).

    Was dieser Dialog zeigt, ist doch, wie immens wichtig es ist, dass wir muslimische Journalistinnen haben, die ihre Sicht, ihren Standpunkt darstellen können. Das hat hier beispielhaft gut funktioniert, wie im Bilderbuch, man würde sich nur wünschen es ginge immer so. Ich fand sehr interessant, was sie geschrieben hat, mich würde auch interessieren, was sie damit meint, die muslimischen Männer sprechen sie anders an als Frauen ohne Migrationshintergrund. Und welche anderen Auswirkungen es hat. Ich wurde auch von muslimischen Männern umringt, die haben mich zwar nicht aufgefordert ein Kopftuch zu tragen, aber die Situation war vermutlich nicht weniger bedrohlich. Ich kann es schlecht beurteilen, weil ich in Gefahrensituationen Gefühle und Gedanken komplett rausnehme, mich selbst rausnehme (nicht willentlich, das passiert einfach) und reagiere fremdgesteuert auf die Anweisungen von einem analytischen Selbst, das quasi über der Situation steht. Das instruiert mich rein danach, was mich unbehelligt aus der Situation bringt. Ich krieg einfach nur akribische Anweisungen, was ich tun soll. Das ist einigermaßen erfolgreich, nur mühsam sich danach wieder zusammen zu setzen und die Gefühle wiederzufinden. Aber wie gesagt, ich hab da keine Wahl, das passiert von allein und ich will mich nicht beklagen, nachdem es gut zu funktionieren scheint. Ich hätte gesagt, es passiert uns (die Bedrohungssituationen) weil wir Frauen sind, also ich setze sozusagen den ganz großen gemeinsamen Nenner ein. Weil ich die größte Gefahr darin sehe, dass wir uns aufteilen und spalten lassen und selbst Schuld hat die Frau, die.... *beliebige Merkmale einsetzen*.

    Aber es kann auch sein, dass es dann doch anders ist, eine andere Ebene hat, das hab ich bei ihr zumindest so rausgehört. Dass es nicht "nur" die Gefahr für Leib und Leben ist, sondern...? Was kann es sein? Das ist interessant und ich könnte es nicht beantworten, aber sie kann. Es ist großartig, dass sie für sich öffentlich sprechen kann.

    Endlich mal ein bisschen gelebte Demokratie


Georg von Grote Also ich habe da schon ein gewaltiges Problem, wenn ein Journalist eine Kollegin, die nun einmal andere ethnische Wurzeln hat, als er selbst, dahingehend belehrt, sie würde in ihrer Darstellung und Sichtweise des akuten Problems übertreiben und von sich behauptet, ich sehe diese Problem nicht als Problem und ausserdem geht mich das nichts an, denn ich schreibe schleißlich nicht für alle (das ist klar, das kann keiner von sich behaupten), sondern nur für eine weiße, indigene Bevölkerungsschicht. Letzteres ist der Skandal an sich, denn mit indigen holt Augstein hier durch die Hintertür mehr oder weniger die Rassenlehre wieder ins Haus.
Und mit dieser Formulierung stellt er sich auch ganz klar und eindeutig gegen den Gedanken und das Prinzip einer Mehrheitsgesellschaft, erteilt ihr quasi eine Absage.

Das ist mal der eine Punkt dieser Antwort. Und das ist auch nicht mehr als lapsus linguae zu entschuldigen, sondern das hat offenbar Methode.

Da hilt es auch nicht, wenn er auf eine offene tolerante Gesellschaftsform hinweist und Frau Sihai und allen anderen Betroffenen zu verstehen geben will, WIR, also diese autochthone und indigene Gesellschaft will auch diese Auswüchse derjenigen tolerieren, von denen Sihai und andere sich bedroht fühlen, denn er selbst gehört ja nicht zur Zielgruppe dieser Fanatiker.


Da liegt er schon mal grundlegend falsch. Zum einen hat auch Toleranz ihre Grenzen und die endet spätestens da, wo massiver Druck auf andere ausgeübt wird. Und da spielt auch unser Rechtssystem nicht mehr mit. Das garantiert nämlich den hier lebenden Menschen die Freiheit, ihr Leben, auch ihr religiöses Leben so zu gestalten, wie sie es für richtig halten, aber es garantiert eben auch nicht, dass man seine Lebensweise anderen aufzwingen darf. Jeder kann in seinen vier Wänden mehr oder weniger machen, was er will. In dem Moment aber, in dem er anfängt, in die Freiheiten eines anderen einzugreifen und sie zu beschränken, begibt er sich außerhalb dieses Rechtssystems und da ist es egal aus welchen Beweggründen das erfolgt.
Diese Beschränkung hat auch nichts mit einer Islam feindlichen Haltung zu tun. Der Brief Sihais richtet sich auch nicht gegen den Islam an sich, sondern gegen dessen fundamentalistisch fanatischen Auswüchse einer Minderheit. Und die gilt es auch hier in unserer Gesellschaft nicht zu tolerieren zumal sie auch in den meisten Punkten mit unserem Rechtssystem kollidiert. Man kann es drehen und wenden, wie man will, die Scharia, vor allem die restriktive und fundamentalistische Auslegung dieses islamischen Rechts-und Verhaltenskodex ist mit dem hiesigen Rechtssystem nun einmal nicht in Einklang zu bringen.
Da gibt es auch nichts zu tolerieren. Ich kann auch nicht in ein anderes Land auswandern und hergehen und sagen, eure Gesellschaftsform, euer Rechtssystem kann mich mal kreuzweise.

Das perfide an Augsteins Antwort ist aber, dass er gegenüber den Argumenten Siahis in Deckung geht. nach dem Motto, ich sehe diese Salafisten nicht als Bedrohung, also sind sie bitteschön Dein Problem, mit dem ich nichts zu tun haben will. Er geht ja sogar noch ein Stück weiter, in dem er auführt, dein Krieg ist nicht mein Krieg und wir stehen Rücken an Rücken, bekämpfen aber jeder für sich einen anderen Gegner. Wieso jetzt gleich dieser martialische Duktus sein muss, ist mir sowieso ein Rätsel.


Christine Quindeau Hm hm hm, das ist ja alles zutreffend, Grenzen der Toleranz, Rechtsstaat usw. das ist völlig unstrittig. Ich les den Artikel und Dialog nur völlig anders. Im Artikel sagt Augstein: Bitte, geht's auch noch eine Nummer kleiner, das sind fünf unbewaffnete Leutchen mit Warnwesten.

Das ist ja nun soweit mal richtig. Und es ist sicher treffend, anzumerken, dass damit der Rechtsstaat vermutlich noch nicht in Gefahr ist. Bitte wir sind gewohnt, dass Nazis (mehr als fünf) ihre Gewaltparolen herumgrölen, "Heimatschutz"vereine gründen usw. Und kaum kommen fünf fanatische Hansele mit einem anderen kulturellen Background, spricht die Kanzlerin. Das ist objektiv überzogen. Hat die schon jemals etwas über Neonazis aus dem Osten gesagt?

Aber die muslimische Journalistin hat natürlich recht, wenn sie sagt, sie fühlt sich durch eben diese fünf Leutchen bedroht. Offenbar mehr als durch andere intolerante Strömungen in der Gesellschaft. Und eine Relativierung oder Toleranz findet sie gefährlich. Darauf antwortet Augstein, ja, er schreibt eben nur die eine Seite. Ich versteh echt nicht, was dich daran empört. Er beharrt ja nicht drauf, dass sein Appell aber der einzig Richtige ist, er lässt die Ambivalenz stehen. Ich finde das nur gut.


Georg von Grote Es sind eben nicht nur 5 Leute mit Warnwesten. Das sind die, die man gerade registriert. Augstein verhält sich da genauso, wie vor nicht langer Zeit mit den Mahnwachen und der sich gerade etablierenden Querfront: Alles erstmal runterspielen, nicht ernst nehmen, als vorübergehende Erscheinung abhaken. Da verhält er sich genauso, wie die Politiker, die er gerne auch mal an den Pranger stellt. Nur weil er damit in seinem Umfeld nicht konfrontiert wird, heißt das aber nicht, dass man das alles nicht ernst nehmen muss.
Es heißt ja nicht umsonst, Wehret den Anfängen, denn wenn das Kind mal im Brunnen ist, dann ist es schwer, es da wieder rauszuholen und wenn man es dann schafft, kann einem passieren, dass es längst tot ist.


Georg von Grote Das ist keine Panikmache und lässt sich auch nicht auf alles anwenden, aber die Mahnwachen mit ihrer Querfrontbewegung und sein eigens Nichtstun, bzw, das seiner Redaktion zeigen es doch deutlich auf. Seine eigene Zeitung, zumindest die Community ist mittlerweile ein Hort geworden für diese Leute. Der Rest, der möglicherweise noch argumentativ dagegen angehen hätte können, wurde entweder rausgemobbed und das mit Hilfe der Redaktion, oder ist freiwillig gegangen.
Und wie gesagt, dieses plötzliche Geschwafel von indigen und autochthon kommt nicht von ungefähr. Augstein ist nicht der Typ, dem man unterstellen kann, dass er nicht weiß, was er da sagt, wenn er diese Begriffe verwendet, zumal in diesem Kontext.


Frank Mignon Ich bin in einem typischen Arbeiterviertel von Wetzlar in den 70ern aufgewachsen und beobachte diese "Re-Klerikalisierung des öffentlichen Raumes" (Zitat Henryk M. Broder) mit Sorge. Und ich wundere mich, dass die deutschen Linksintellektuellen diesen gesellschaftlichen Rückschritt so einfach hinnehmen, während jedes alberne und überflüssige Sarrazin-Buch mit großem Protest und Widerspruch bedacht wird. Für uns, die wir mitten unter Türken, Griechen, Spaniern, Italienern etc. aufgewachsen sind, waren damals allenfalls die Sitten und Gebräuche etwas fremd, keineswegs bezogen sich Probleme des Zusammenseins auf die Religion, die eher unauffällig ausgeübt wurde. Jeder ging in seine Kirche oder in seinen "muttersprachlichen Unterricht" und das war's im Wesentlichen. Ich konnte jederzeit die Moschee besuchen, zwei meiner Schulkameraden haben mich sogar eingeladen. Wobei die "Moschee" ein schlichter Gebetsraum war, ohne Kitsch und Prunk. "Man muss auch das Recht haben, einander zu ignorieren" hat Hamed Abdel-Samad mal als Rezept für ein vernünftiges Zusammenleben formuliert. Muss man nicht teilen, ist aber gar nicht so dumm. Und es sind tatsächlich nicht nur die "5 Spinner mit den Warnwesten", sondern es macht sich ein aggressiver Ton seitens der Fundamentalisten gegenüber liberalen Angehörigen der eigenen Religion breit. Wir, und damit meine ich all jene, die sich den freiheitlichen Werten unserer Verfassung verpflichtet fühlen, schulden den liberalen und vernünftigen Moslems unsere Unterstützung, denn sie sind ein Teil unserer Gesellschaft, den man nicht mit "Stellt Euch nicht so an" abspeisen kann, wie es Augstein sinngemäß sieht. Was ist nur aus den Linken in unserem Land geworden? Früher stritten sie für eine offenere und freiere Gesellschaft, heute verweigern sie der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft in der Auseinandersetzung mit dem Totalitären ihre Solidarität.


Georg von Grote Ich bezweifele ganz entschieden, dass Augstein links ist, bzw links denkt. Augstein hat für sich offenbar ein Konzept entwickelt, dass da heißt, Ich laviere mich durchs Leben, versuche möglichst nicht zu sehr anzuecken und Position beziehe ich schon mal gar nicht. Adenauer sagte dazu einmal: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.


Frank Mignon P.S. Mein Unverständnis für die Position Augsteins, den ich sonst immer gerne lese und dessen wöchentliches Duell mit Blome auf Phönix ich immer gerne sehe, kommt vermutlich auch aus der Tatsache, dass er wieder mal alle Klischees des "Pseudo-Lachsbrötchen-Linken" erfüllt, der aus dem Elfenbeinturm des Wohlhabenden auf die einfachen Menschen heruntersieht, die zu schlicht konstruiert sind, die Prinzipen seines Weltbildes zu verstehen.


Frank Mignon ...und deren Lebenswirklichkeiten seiner Argumentation nicht nützen.



Mona Markert Als ich den Artikel, dann das mich bewegende Statement der muslimischen Journalistin, danach As Stellungnahme las, dachte ich voller Bauernschläue einfach nur "Arschloch". Christines Meinung hat mich weiter nachdenken lassen und ganz interessiert verfolgte ich bisher eure Unterhaltung. Vielen Dank dafür! .... meine Meinung hat sich nicht verändert. Das kann durchaus daran liegen, dass ich Herrn A. weder gern lese, noch ihm zuhöre ... A wie (so wirkt er zumindest auf mich) unangenehm arrogant.

18. September um 18:31 · Gefällt mir


Christine Quindeau @Mona... dachte ich voller Bauernschläue...
Ja ich fand den Dialog bereichernd. Es ist so wichtig, dass weniger Privilegierte im öffentlichen Diskurs eingebunden sind - nicht nur als "Opfer" oder "Betroffene", sondern als gleichwertige Interessenvertretung. Das ist hier geschehen.

Und schon hatte ich jenseits der Streitfrage, zu der beide Standpunkte gehören, einen neuen Input bei dem Punkt, dass sie sagte, die Bedrohung sei eine andere als Muslimin. Und ich eigentlich glaube, es passiert uns, weil wir Frauen sind, Differenzierungen führen nur in die Verwirrung, weil wir es dann an besonderen Merkmalen festmachen / es festmachen lassen. Und uns passiert im Kern seit immer und immer das Gleiche. Es geht eben um Macht und Herrschaft. Ob mit Kopftuch oder ohne, ob als Schlampe oder weil man zu unberührbar war, das ist alles so was von egal.

Ich denke, worum es wirklich geht, ist ja nun nicht dieser eine Mensch. Nicht dass ich mich nicht auch schon geärgert hätte, aber so richtig, andererseits fand ich Augsteins Standpunkt in der Ukraine-Krise im Wesentlichen wichtig und ich hab auch schon Sachen von ihm gelesen, die einfach hinreißend waren. Es geht doch um den Inhalt, und der ist mal so, mal so. Die Person bleibt im Nebel Relevant, verhandel- und diskutierbar ist, was er schreibt und das hat mir in dem Fall sehr gut gefallen.

Was soll er denn machen? Ich meine ich finde es auch ausgesprochen unfair, WIE privilegiert er ist, aber er macht ja schon die ganze Zeit auf netter Hamburger Abiturient, der rechtschaffen staatskritisch denkt, keinem was tut und SPD wählt. Kommt mir immer vor, wie wenn sich ein kleines privilegiertes schwarzes Schaf in Mehl wälzt, in die weiße Herde trabt und blökt: ich bin wie Ihr, ich bin wie Ihr... süß, ja. Oder wie Obelix in Ägypten, wenn er sich zur Tarnung ein Nemes-Kopftuch aufsetzt. Da kann er noch soviel SPD wählen, der Mann ist die fleischgewordene gesellschaftliche Ungerechtigkeit. Aber wir müssen auch Minderheiten tolerieren und Teilhabe an der Gesellschaft gewähren

Übrigens SPD, hatten die nicht angekündigt, sie würden "Korrekturen" an HartzIV vornehmen, sofern sie gewählt würden...? Und was ist damit...?
Damit scheinen sie bis zu nächsten Wahl zu warten. Sonst haben sie ja kein Argument, um die Leute zu beschwatzen sie zu wählen. Bevor die SPD noch mal was sozial sinnvolles macht, macht es die AfD


Georg von Grote Ich nehm noch mal Bezug auf Christines Kommentar weiter oben.

Ich sehe es nicht so, dass hier ein "Privilegierter" (Augstein) einer "weniger Privilegierten" (Siahi) die Möglichkeit einräumt, mit ihm auf Augenhöhe zu argumentieren. Im Gegenteil, er kan
zelt sie ab, gibt ihr eindeutig zu verstehen, ich halte Dein Problem für absolut übertrieben und bedeutungslos, denn die Probleme, oder die "Feinde", die ich ausmache, verorte ich ganz woanders, wobei man als Außenstehender, der seine eher marginalen Beiträge verfolgt, seien sie sie in der wöchentlichen Spiegel-Kolumne, seien es seine öffentlichen Auftritte in den einschlägigen Schwafel-Clubs bei ihm nur einen Feind, bzw. eine Feindin ausmachen kann und die heißt Merkel. Auf die ist er fixiert, wie der Hund auf einen saftigen Knochen und an der hat er sich regelrecht verbissen. Das sieht man ja auch an der ursprünglichen Kolumne, in der er ganz bewusst. möglicherweise sogar wider besseres Wissen diese Strömung, in der ja diese Aktion mit der Scharia-Polizei nur eine kleine Provokation darstellt, die vor allem Publicity erzeugen soll, bagatellisiert. Und nicht nur diese einzelne Aktion, diese ganze Strömung einer Radikalisierung unter den muslimischen Mitgliedern in unserer Gesellschaft verharmlost er bis fast zum Unerträglichen nur um einen Grund zu finden, Merkel zu bashen, instrumentalisiert die Radikalisierung für seinen kleinen persönlichen Feldzug gegen das Bundeskanzleramt.
Die Probleme, die Nöte der Betroffenen, in diesem konkreten Fall überwiegend Muslimas, sind ihm völlig egal. Das diese Nöte aber die ganze Gesellschaft betreffen, will er offenbar nicht sehen, wobei man bei Jakob Augstein noch nie bemerkt hat, dass ihn die Anliegen der weiblichen Bevölkerung hierzulande überhaupt besonders interessieren würden.

Das kann man natürlich versuchen, damit zu erklären, dass er, wie aber viele andere auch einer privilegierten Gesellschaftsschicht angehört, aber das ist zu einfach. Privilegiert aufzuwachsen und zu leben kann ja auch dem Rest der Gesellschaft, der diese Möglichkeit nicht hat, zum Vorteil gereichen. Die Frage darf ja nicht sein, was jemand hat, sondern muss sich darauf konzentrieren, was er daraus macht.
Und das ist, führwahr, bei Augstein herzlich wenig. Empathie scheint sowieso eine Regung zu sein, die ihm fremd ist, wesentlich unangenehmer ist aber, dass er all das, was ihm zur Verfügung stand und steht, nur in Überheblichkeit und Arroganz umzusetzen weiss. Und letzteres zieht sich durch die gesamte Antwort an Sounia Siahi.

Viel interessanter aber finde ich ja die Passage mit der "autochthonen, hauptsächlich weißen, bürgerlichen Leserschaft" die er als sein Zielpublikum ausgewählt hat. Würde das jetzt ein Kai Diekmann von sich behaupten, dann hätte wohl jeder gesagt: 'Nee, ist klar, aber wissen wir doch schon längst'. Nur, Kai Diekmann macht aus seiner konservativen Haltung kein Hehl, während Augstein ja immer versucht, bei anderen die Illusion aufrecht zu erhalten, er wäre in seiner Grundeinstellung zumindest "irgendwie" links orientiert. Ein absolutes Scheinbild, dass er da aufzubauen versucht mit ständigem Merkel-Bashing und unverhohlener Unterstützung eines "lupenreinen Faschisten" wie Putin und dessen System der Unterdrückung.

Offenbar hat sich wohl auch niemand mit dem Begriff "autochthon" befasst und wohl schon gar nicht, in welchem Zusammenhang dieser Begriff spätestens seit der UN-Menschenrechtskonvention verwendet wird.
Mit autochthonen Bevökerungsgruppen oder Gemeinschaften sind die gemeint, die weltweit als indigene Bevökerungsschichten über Jahrhunderte unterdrückt, ihres Landes, ihrer Rechte beraubt wurden und einem Zwangsassimilisierungsprozess unterworfen werden und sind, seien es die Indios in Süd- und Mittelamerika, die Aborigines in Australien, Maoris in Neuseeland und viele andere.

Und diese "Opfer" will er nun hier in Deutschland, bzw Europa entdeckt haben? Dazu auch noch hauptsächlich weiß und bürgerlich? Aber die entdeckt er auch nicht bei den Roma, bei allen anderen, die vor Terror und Unterdrückung ihre Heimat aufgeben und hier Schutz suchen, sondern offenbar hat er diese "Unterdrückten und Bedrohten" bei den weißen, bürgerlichen Spiegellesern und wohl auch denen seiner Hauspostille "der Freitag" entdeckt. Im letzteren Fall bietet er ja den ideoligisch Verfolgten, vor allem aber den Anhängern, von Elsässer, Jebsen, Klopp und allen Querfrontlern quasi garantiertes "Kirchenasyl".

Wo, bzw. in wem bitte sieht denn Augstein die Feinde dieser ominösen "autochthonen, hauptsächlichen weißen und bürgerlichen" Leserschaft, wenn nicht in einer sogenannten "Verfremdung" und nicht zuletzt genau in dem Teil der hier lebenden Bürger, den Sounia Siahi verkörpert?

Da kann er noch so mit aufgesetztem Dackelblick beteuern, er stehe ein für eine "offene" Gesellschaft und gegen Rassimus. Das mag ja vielleicht sogar stimmen, nur, seiner speziellen Leserschaft, die er ausgemacht haben will, ist er bemüht, nach dem Mund zu schreiben und vermittelt er genau das gegenteilige Bild als das richtige. Und dieses Bild ist nun mal eben rassistisch, rechtsorientiert und steht in absolutem Widerspruch zu einer offenen Gesellschaft.






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