Hurra, Hurra, die Datsche brennt!

Wie DIE LINKE lernt, die Bombe zu lieben.

 




Keine Panik, DIE LINKE gibt es noch. Auf dem Papier als Partei und auch noch in Menschengestalt als Gysi, Bartsch, Pau, Ramelow und Co. Ach ja, und die Wagenknecht erhebt ja auch noch ihren warnenden Zeigefinger. Und während sie den tapfer mutig hebt, vor allem gegen den bösen Kapitalismus aus dem Westen und sich danach nachts im Bettchen wahrscheinlich fühlt, wie die Wiedergeburt von Rosa Luxemburg, Marx, Engels und Lenin in Personalunion, sind ihre ParteikollegInnen schwerstens im Stress. Da ist es doch praktisch, dass man sich schon frühzeitig ein rotes Mützchen übergestülpt hat, denn auch die Feuerwehr trägt traditionell rot und zurzeit gibt es mächtig viel zu löschen. Die LINKE Datsche brennt. Nicht nur an allen Ecken, sondern lichterloh. Die Feuerwehr, also die echte jetzt, würde ja hergehen und sagen, lohnt nicht. Das lassen wir jetzt kontrolliert abbrennen.

Nicht so DIE LINKE. Die versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Schleppt kübelweise Wasser heran und schäumt. Und sie schäumt gewaltig. Gegen Gott, gegen die Welt, gegen die anderen, aber vor allem gegen sich selbst.


Was ist da nur passiert? Ganz einfach. Es ist Krieg. Eigentlich nichts weltbewegendes, denn irgendwo auf dieser Welt ist ja immer Krieg und bisher hatte es DIE LINKE damit auch sehr einfach. ‚Wir sind gegen jede Art von Krieg und vor allem dann, wenn der auch noch mit deutschen Soldaten und Waffen geführt wird. Punktum. Keine Widerrede.‘

Das ist im Prinzip auch eine sehr achtungsvolle Haltung, die Respekt verdient. Was hat sich denn nun plötzlich verändert? Deswegen muss man ja nicht gleich die ganze Hütte abfackeln. Schon gar nicht die eigene.

Naja, der Krieg hat sich eben verändert. Früher war das ja noch ziemlich einfach zu durchblicken. Erst Bolschewiki gegen das herrschende Kapital. Nachdem man das ‚erledigt‘ hatte, wollte man gleich weiter machen, weil es gerade so flutschte. Also teilte man sich auf in Rote Armee gegen Weiße Armee und machte fröhlich weiter. Wer am Ende übrig blieb, ist bekannt.

Der nächste Krieg war auch kein Problem. Ein kleiner Gefreiter gegen den Rest der Welt. War eine ziemlich dumme Idee von diesem Gefreiten. Konnte auch nicht gut ausgehen, was sich zum Glück auch bewahrheitet hat.

Und weil so ein Leben ohne Krieg offenbar ziemlich langweilig zu sein scheint, teilte man sich flugs wieder auf. Nannte man jetzt den Kalten Krieg. War alles überschaubar, die Fronten waren klar, die Gegner ausgemacht und jeder konnte sich hinstellen und sagen, 'Ich, also ich will keinen Krieg, aber du willst ihn'. Hätte auch schief gehen können, ist es aber nicht.

Man hat sich ja auch ein wenig abgelenkt. Die einen in Korea, Vietnam, Panama und sonst wo, die anderen in Ungarn, Tschechoslowakei, Afghanistan und achtete penibel darauf, dem anderen beim Krieg machen nur nicht in die Quere zu kommen. Hat sich prinzipiell bis heute nichts daran geändert. Das System schien zu funktionieren. Bis zur Ukraine, aber das ist eine andere Geschichte.


Aber irgendwie sind andere auch auf den Geschmack gekommen und wollten nun auch Krieg führen. Nur gegen wen? Das mit den großen Blöcken hat ja nichts gebracht. Die drohten sich zwar ständig, aber passiert ist nichts. Langweilig.

Alles kein Problem. Gegner gibt es überall und wenn man mal tatsächlich keinen ausmachen kann, dann schnitzt man sich eben einen. Der lässt immer den Klodeckel offen? Geschlechterkrieg! Die schmatzen beim Essen? Kniggekrieg! Der fährt ein Auto, ich nur einen Eselkarren? Klassenkrampf, pardon, Krieg! Der will Sonntag seinen Feiertag? Ich den Freitag? Religionskrieg! Gründe gibt es viele. Und wenn in Nachbars Garten die Stiefmütterchen blau und bei mir nur gelb blühen? Führen wir eben auch Krieg, dann blüht am Ende bei beiden nichts mehr.


Und vor allem, die neuen Egoshooter halten sich nicht mehr an die Regeln. Mittlerweile blickt kaum noch jemand durch, wer dagegen, wer dafür und mit wem und warum und wieso und weshalb Krieg führt. Zyniker würden jetzt sagen: Weil‘s einfach Spaß macht. Ist mit Sicherheit eine Möglichkeit, aber doch wohl zu banal.


Blicken wir nach Syrien. Seit Jahren im Kriegszustand. Eigentlich schon gar nichts mehr vorhanden, für was es sich lohnt, einen Krieg zu führen. Gibt es Syrien eigentlich noch? Man blickt auch nicht mehr durch, wer da gerade auf der einen Seite oder auf der anderen sitzt, die Allianzen wechseln ja fast täglich.


Da kann man als selbsterklärte, aber leider nicht selbsterklärende Anti-Kriegspartei schon mächtig ins Schleudern geraten. Und das muss man dern LINKEN wirklich schon lassen, sie haben es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, den schleudernden Karren vor dem Dreck, in den er fahren wollte, abzufangen. Anders als die GRÜNEN. Die waren ja auch einmal eine Anti-Kriegspartei. Nur irgendwann orientierungslos und, schwupps, war der Karren in Berlin im Schröderschen Korruptionssumpf gelandet und sie wachten unsanft in Bosnien wieder auf.

Aber Krieg, vor allem im Wohnzimmer vor der Glotze kann faszinierend sein. Fast wie in Hollywood. Es rummst, es donnert, es fliegen Leichenfetzen durch die Gegend, das Blut droht den griechischen Flokati aus dem letzten Urlaub zu durchtränken und wenn es einem zu viel wird, kann man ja abschalten und der Krieg ist vorbei. Gut, vorbei nicht, aber nicht mehr im Wohnzimmer. Danach lernten auch die GRÜNEN den Krieg zu lieben.

DIE LINKE aber blieb standhaft! Nie wieder Krieg! Eisern. Okay, eher blechig, denn lautete die Parole nicht auch schon mal: Nie wieder Bundeswehr, nie wieder NATO? Man geht eben mit der Zeit. Lavierte sich durchs politische Leben.

Und nun hat es DIE LINKE doch glatt auf dem falschen Fuß erwischt. Sogar die Feuermelder haben versagt.

Wo? Beim Krieg natürlich. Problem nur, mit imperialistisch, kapitalistisch geht bei diesem Krieg nichts mehr. Und vor allem, das Grauen schlechthin, die USA müssen jetzt auch noch als Retter in der Not herhalten. Ausgerechnet die. Wer macht jetzt den Kotau vor Obama? Gysi? Wagenknecht? Nee, wir nehmen den Gysi, der quatscht den Obama in Grund und Boden.


Erwischt hat es ja dieses Mal die Kurden. Deshalb die Aufregung, denn das sind die Guten, weil die LINKE die Kurden zwangsadoptiert hat. Da müssen sie zwangsläufig auch die Guten sein. Ob das die Kurden genauso sehen, hat wahrscheinlich noch keiner gefragt. Besser so, weil die haben nun wirklich andere Probleme.

Eigentlich haben sie sich ja die Kurden nicht selbst ausgesucht, sondern von den GRÜNEN aufgebrummt bekommen, weil die denen, nachdem die GRÜNEN die Faszination des Krieges gelernt hatten, zu schätzen, zu langweilig wurden. Außer für Claudia Roth. Die liebt die Kurden heiß und fettig. Aber Claudia Roth liebt auch Indios, Tamilen, Feldhamster und sogar den Seehofer. Eigentlich alles, was gerade zum Lieben greifbar ist. Allein dafür muss man Claudia Roth schon wieder zurücklieben.

Aber nun hat DIE LINKE die Kurden an der Backe und die Kurden schweben gerade in Lebensgefahr. Eingekreist von fanatischen, blutrünstigen Islamisten, die ihnen an die Kehle wollen. Und weil diese Kurden in Rojava, explizit in Kobanê aus langjähriger Erfahrung der ständigen Unterdrückung sehr pragmatisch denken und wissen, friedensbemühte Schönreden aus dem deutschen Bundestag und der linken Parteizentrale nützen uns schon mal gar nichts, was wir brauchen, sind Waffen. Vor allem Waffen, die auch funktionieren und die anderen totmachen, aber schon so richtig tot machen, weil mit humanitärer Gefühlsduselei sind wir selbst bald mausetot, brennt bei den LINKEN nicht nur der Hintern, sondern das ganze Dach.


Und was machen die? Sie bewaffnen sich. Mit Worten. Oder Worthülsen, was ja bei Politikern aufs selbe hinausläuft. Und vor allem herrscht einmal lodernde Panik.

Klar! Die Kurden in Rojave brauchen Waffen und das besser gestern als heute. Sehen wir ja ein. Aber wir sind doch eigentlich gegen Waffen? Oder etwa nicht? Ja, im Prinzip schon, aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaber. Gut, dann einigen wir uns doch einfach darauf, dass wir sagen: Wir, die LINKE sind gegen Krieg und gegen Waffen aller Art, aber wir machen jetzt eine Ausnahme, aber bitte nicht weitersagen:

„Ihr lieben netten Amerikaner, Briten, Franzosen, oder wer uns sonst noch hört, von uns auch die Türken, schickt den Kurden in Kobanê so schnell wie möglich diese Waffen. Aber bitte nur eure, keine von Rheinmetall und Co. Und bitte, bitte, sagt bloß nicht, wir hätten Euch geschickt. Und flüstert es den anderen, vor allem der UNO, denn wenn die Krieg führen will, dann finden wir das ganz toll. Weil, das ist ja dann ein gerechter Krieg. Aber trotzdem nicht mit uns und bitte tut so, als gäbe es uns gar nicht. Und wir haben auch gar nichts gesagt.“


Tja! Und deshalb brennt die LINKE Datsche lichterloh.


gvg    








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