Der Tod gehört mir

 



 

Inwieweit das Politbarometer des ZDF aussagekräftig ist, vermögen vielleicht selbst die Ersteller dieses Meinungsbildes nicht genau zu beantworten, aber eine Tendenz dürfte sich schon daraus ableiten lassen.

Und so hat sich in der neuesten Ausgabe die Mehrheit der Befragten für eine aktive Sterbehilfe durch Ärzte ausgesprochen. Und 68% Befürworter gegen 24 % Gegner sprechen eine deutliche Sprache.

Wohlgemerkt, es geht um die aktive Sterbehilfe durch Ärzte, nicht durch obskure Sterbehilfeorganisationen, die daraus auch noch Profit schlagen wollen.


Wer es ernst meint mit dem Leben und der Freiheit des Einzelnen, der muss auch für diese ärztliche Lösung unter bestimmten Voraussetzungen sein. Die da wären, ein klar und eindeutig postulierter Wille des Patienten, ein Ärztegremium, das unabhängig entscheidet und eine gesetzliche Regelung, die einen Missbrauch so weit als möglich auszuschließen vermag.


Das Leben des einzelnen gehört weder irgendwelchen religiösen Organisationen, noch staatlichen. Es gehört auch nicht der Gesellschaft, sondern nur dem Einzelnen allein. Und der muss, wenn er schon nicht in der Lage ist, über den Beginn seines Lebens zu entscheiden, zumindest die Möglichkeit haben, sein Ende bestimmen zu dürfen.


Nun fordert Jakob Augstein in seiner neuesten Spiegel-Kolumne „den Tod zu verschonen“ und bezeichnet den Wunsch, erlöst zu werden als Kapitulation vor dem Leben. Und er ist nicht der einzige, der auf diese Art gegen die freie Selbstbestimmung des Menschen argumentiert. Mit zum Teil fadenscheinigen Begründungen, die alle auf das eine hinauslaufen, da will ein gesunder Mensch, für den dieser Zustand noch in weiter Ferne liegt, denen, die unmittelbar damit konfrontiert sind, vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hätten.


Es kann dahingestellt bleiben, ob der Tod überhaupt einer Schonung bedarf, aber was Augstein und die Gegner der Sterbehilfe da einfordern, ist ein langes, schmerzvolles, quälendes, entmenschlichtes Dahinsiechen eines Menschen, eines nahen Angehörigen, der gar nicht mehr in der Lage ist, keine Chance mehr hat, leben zu dürfen. Da spricht der pure Egoismus derjenigen, die nur ihr eigenes Gewissen beruhigen wollen und dafür nehmen sie in Kauf, dass ein Mensch über einen langen Zeitraum qualvoll dahinvegetiert.


Vielleicht muss man selbst so etwas über Jahre miterlebt haben. Über Jahre hilflos daneben zu stehen und zusehen zu müssen, wie ein aktiver, lebensfroher Mensch Stück für Stück verfällt. Zunächst die Kontrolle über seinen Körper verliert und dann langsam über seine Sprache, seinen Geist, seine Erinnerungen. Jemand, der, solange er noch sprechen konnte und Herr über seinen Willen war, einen angefleht hat, ihn sterben zu lassen, wenn dieser Zustand erreicht ist und dann, wenn die Sprache verloren gegangen ist, mit den Augen spricht. Augen, die die ganze Qual dieses Menschen widerspiegeln.


Und man darf ihn nicht sterben lassen, ihn von seinem Leid erlösen.

Wir gönnen den Menschen ihr Leben nicht und dann auch nicht einmal ihren eigenen Tod.

Was ist ein Leben wert, über dessen Ende ich nicht selbst bestimmen darf?


Es gibt keine vernünftige Alternative zur Sterbehilfe.



gvg      




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