The very true story of desperately seeking Susan and exhausting Ken, the empty can


Das schaurig traurige Märchen von der kleinen Luftmatratze und ihrem Luftikus, dem Matratzenschoner.

 




Es war einmal eine kleine Luftmatratze. Die fühlte sich plötzlich so allein und so unbeachtet.


Ein wenig ramponiert und durchgelegen, sah sie ja schon aus. Das Leben geht eben auch an Matratzen nicht spurlos vorbei. Aber das wollte die arme, einsame Matratze nicht wahrhaben und weil ihr Nebenerwerb als Erfinderin von Geschichten für Lokales und Banales sie auch nicht mehr richtig befriedigte, beschloss sie in die große weite Welt hinaus zu ziehen um sich einen neuen Matratzenschoner zu suchen.

Vielleicht fühlte sie sich ja schon ein wenig befleckt und leicht verstaubt? Ermattet? Porös? Die Luft suchte sich längst immer wieder neue Wege in die Freiheit. Ein untrügliches Zeichen für den fortschreitenden Verfall. Das aber kann man nur vermuten, die Überlieferungen geben es nicht preis. Die Folianten in den Archiven schweigen. Oder etwa nur des Sängers Höflichkeit?


Jedenfalls abwaschbar sollte er sein, der schonende Überzug, reißfest, dehnbar und möglichst wendefähig.

Und wie sie so durch die Lande trottet, von Dorf zu Dorf und Stadt zu Stadt, von Land zu Land wurde sie immer ungehaltener. Schoner pflastern ihren Weg, indes, keiner wollte so richtig passen, ja manche sträubten sich obendrein.


Selbst der stolze Jürgen aus dem Elsass entpuppte sich nach ausführlichem Beschnuppern als krasse Fehlbesetzung. Zwar hatte ihr sein dezentes Braun sofort gefallen, passte es doch so wunderbar zu ihrem desolaten Zustand, doch der legte lieber seine schonend schützenden Hände über die harten, wilden Kerle aus Hoolinesien.

Er mag es zwar selber nicht so gerne wild mit Jungs. Freudig würde er die lieber hinter Stacheldraht verstecken, aber die Hoolinesen, die haben es ihm angetan. Und weil die offenbar gerade eine starke Hand suchten, beschloss der kühne Jürgen aus dem Elsass einfach mal ganz schnell, spontan und so richtig aus seinem Herzen heraus, Führer der Hoolinesen zu werden. Und unsere hoffnungsschwangere Luftmatratze musste einmal mehr in die Röhre schauen.

Nach langen Irrwegen durch toitsche Lande, die sie in ihrer ganzen Bandbreite durchschweifte, kam unsere kleine traurige, geknickte Matratze in eine große, weite Stadt. Die funkelte, glitzerte, strahlte in ihrem verschlissenen Glanze und plötzlich, unter einem großen und mächtigen Tor, sah sie ihn stehen. Ihren Traumprinzen. Den Matratzenschoner ihrer klammen Träume.

Nicht braun, oder rotbraun, wie alle anderen zuvor, denen sie begegnet ist. Auf den ersten Blick kohlrabenschwarz. Jedoch beim genauen Hinsehen entdeckte sie, wie es schillerte unter der matten schwarzen Oberfläche. Und es schimmerte so fröhlich braun, richtig schön in allen Schattierungen, bis hin zu tiefbraun. Da jubelte ihr kleines, leidgeprüftes Matratzenherzchen vor Freude und sie wusste: Er muss es sein! Er ist es! Der so verzweifelt gesuchte Neue. Ihr zukünftiger Matratzenschoner.

Doch der ahnte nichts von seinem Glück, war er doch ständig damit beschäftigt, leere Dosen mit Luft zu füllen. Seiner Luft. Die hatte ein so unverwechselbares Bouquet und entpuppte sich sofort als Renner. Sie roch erdig, nach blutgetränktem toitschen Heldenboden, mit einem zarten Anflug von Aas, Modder und Kloake. Ein wenig faulig, dafür mit einer durchdringend, alles erschlagenden Note. Jeder wollte davon abhaben, daran schnuppern, ihn inhalieren und eigentlich hatte er gar keine Zeit für eine kleine luftige Provinzmatratze in seinem Dunstkreis.

Allein, die ließ nicht mehr locker, bezirzte, umschwärmte, umschwänzelte den duftenden Luftikus, bis ihm zwar nicht die Ausdünstung, doch aber plötzlich die Luft ausging. Und da war es plötzlich vorbei mit dem duften Geschäft als Marktschreier und er erlag von nun an den Lockungen der vor ihm dahinschmelzenden Luftmatratzenfee. Und dann schauten sie sich tief in die Augen und öffneten die letzte Dose, die ihm noch geblieben war und labten sich gemeinsam am betörenden Mief.

Und bevor die Dose gänzlich leer, die Luft in extenso entfleucht, verkündete unsere kleine traurige Matratze die fröhliche Mär allen Menschen, die sie kannte und präsentierte ihnen voller Stolz ihren Luftikus, den neuen Matratzenschoner.

Ein Bild für Götter ging um die Welt und alle freuten sich mit ihnen. Eine kleine Luftmatratze und ihr Luftikus, vereint im Gelsenkirchener Barock, auf einem braunen Sofa, Hand in Hand. Ein wahrlich glückliches Paar.


Und wenn sie nicht gestorben sind, dann duften sie noch heute.



gvg     


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Die Namen der Figuren sind frei erfunden. Übereinstimmungen mit Namen lebender Personen ist rein zufällig
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