Deutsche Medien. Quo vadis?

Medienkrise Mutlos! Kraftlos! Einfallslos! Die deutschen Medien.
Sie kämpfen um Ihr Überleben und legen sich selbst die Schlinge um den Hals. Sie merken es nicht einmal.

Die Symbiose zwischen Print und online? Gibt es die?

Viele sagen „NEIN!“. Glauben nicht daran. Können sich nicht vorstellen, dass es diese Symbiose geben könnte. Beim Freitag ist es zum Beispiel Dr. Michael Angele. Zumindest macht er den Eindruck.  Er hängt am Print.  Aber er ist ja nicht allein. Ich kann ihn auch verstehen. Es ist auch für mich immer noch ein besonderes Gefühl, das Papier zu spüren, das Rascheln zu hören, im Wind mit dem dünnen Papier zu kämpfen. Manche betrachten ihre Texte, wenn sie denn gedruckt und gelayoutet erscheinen liebevoll wie ein kleines Baby, das sie gerade in die Welt entlassen haben. Vielleicht auch voller Stolz, weil gelungen. Vielleicht auch zurecht. Und von diesem Gefühl wollen sie nicht lassen.

Andere arrangieren sich mit dieser neuen Technik, müssen sich arrangieren. Rein aus finanziellen Gesichtspunkten. Oftmals ist der Kunde, der Leser eben schneller, Die anderen, das sind die Diekmanns, die Döpfners, die Huffingtons, die Augsteins. Aber sie glauben nicht wirklich daran, sie passen sich an. Gehen eine Scheinehe, eine Zwangsehe ein. Und weil es ihnen an Visionen fehlt, am Mut, am Willen etwas Neues zu schaffen, flickschustern sie an einem zwar etablierten und nur noch akzeptierten Produkt herum, statt ein Neues zu schaffen.

Und deshalb kommen sie zu spät. Der Leser ist schon wieder einen Schritt weiter.

Was zur Zeit in Deutschland medientechnisch gesehen abläuft, kommt einem so vor, wie der halbherzige Versuch, einen Oldtimer, Baujahr 55 auf Mittelklasse 2013 zu trimmen. Und man kann technisch viel machen, aber wenn der Fahrer noch 1950 denkt und beim Herunterschalten zwischengast und beim herauf doppelkuppelt, dann streikt auch irgendwann jedes 7-Gang-Getriebe Baujahr 2013.

Es fehlt Ihnen an Mut, mit Altbewährtem zu brechen. Sie haben keine Visionen, die Verleger und Chefredakteure in ihren Superetagen im obersten Stockwerk. Keine Risikobereitschaft, kein Konzept. Vielleicht auch keine Ahnung. Und deshalb renovieren sie, statt neu zu bauen. Es sind Erbsenzähler, Donald Ducks. Kreativ sind sie nicht. Hilflosigkeit regiert in den Chefetagen.

Und ein paar Mutige, Freaks glauben an diese Symbiose. Vertrauen auf die Macht des Wortes. Der Text, sein Inhalt, seine Qualität ist das Objekt der Begierde. Weiterhin. Nicht das Layout. Nicht die blinkenden Inserts, die Werbebanner, die liveticker und Gimmicks, mit denen der antiquierte deutsche Medienmacher glaubt, seine Leser einfangen zu können.

Aber sie, die Mutigen, die Kreativen, die Querdenker, sehen die Möglichkeiten, die ihnen die Technik, das Internet und damit der schnellste Zugang zum Leser bietet. Werfen sie deshalb Altbewährtes über Bord? Mitnichten!

Nach wie vor ist der Text die Königin und die will präsentiert werden. Wie es im Print geht, wissen alle. Jeder auf seine Weise.

Die Queen online erfährt ein anderes Schicksal. Sie ist ein Aschenputtel, verkommen als Showgirl.  Die Primadonna gönnt man ihr nicht, oder traut sich nicht. Und wenn, dann wird sie langweilig präsentiert, durchgereicht und blitzschnell vergessen.

Man kann sie aber auf den Thron heben. Nur dann muss man auch das nutzen, was man online zur Verfügung hat. Man muss umdenken, sich vom Altbekannten, Altbewährtem lösen

Online kann ich ganz anders einen Text präsentieren, eine Nachricht übermitteln, Meinungen prägen.

Wenn ich die Technik nutze, die sich mir bietet. In Deutschland ist man offenbar immer noch nicht so weit. Halbherzig ist das, was die deutschen Medien, die online gehen, bieten. Konservativ. Ängstlich. Für deutsche Zeitungsverleger hat die Zukunft noch lange nicht begonnen. Sie kämpfen noch mit der Vergangenheit.

Wie man es anders machen kann, zeigt die New York Times .

gvg    15.11.2013

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