Obamas geheime Killerelite

Dirty Wars Rick Rowley hat eine Dokumentation gedreht, die mehr ist als das:
eine Abrechnung mit dem amerikanischen System der Geheimniskrämerei

Wir nennen es Mord, gezielte Tötung, Liquidation, Ausschalten und die Täter beiben meist unbekannt und unbenannt. Zur Rechenschaft gezogen zu werden, müssen sie selten fürchten, denn sie handeln auf Befehl, im staatlichen Auftrag. Keine Gefangenen heißt die Devise. Werden sie von der Leine gelassen, dann bedeutet das für das Zielobjekt fast immer den sicheren Tod. Sie kommen lautlos, sie töten und verschwinden wieder so, wie sie gekommen sind. Offiziell hat es sie nie gegeben und ihre Taten sind auch nie geschehen. Nur die Opfer könnten von ihrer Anwesenheit zeugen, doch die können nichts mehr erzählen.
Jeremy Scahill, investigativer Journalist veröffentlichte vor gar nicht langer Zeit sein Buch „Blackwater“. Ein Stich, direkt in das Herz der verdeckten us-amerikanischen Kriege, der blitzschnell zu einem internationalen Bestseller avancierte.

Foto: Dirty Wars/ Jeremy Scahill 

Joint Special Operations Command (JSOC), das Mädchen für alles, wenn es dreckig wird. So richtig dreckig. Wer dieser Einheit zugeordnet ist, steht auf keinem offiziellen Papier, muss sich nicht verantworten. Vor keinem Gericht, vor keinem amerikanischen Kongress-Ausschuss, höchstens vor seinem eigenen Gewissen und seinem Vorgesetzten, der ihm den Auftrag erteilte. Und der Auftrag ist immer der gleiche, das Ziel aufspüren, anvisieren und auslöschen.

Spezialeinheiten, von denen fast jeder etwas weiß und doch nichts erfährt, denn Schweigen ist oberste Pflicht. Liquidationskommandos, die fast jeder Staat besitzt, aber grundsätzlich aus Prinzip abstreitet, dass sie operieren. Jeder kennt die Bilder aus dem Oval Office mit Obama und seiner Entourage, wie sie der Liquidation Bin Ladens zusahen. Kürzlich erst durch Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ filmisch in Szene gesetzt. Wir kennen mittlerweile die Dokumentationen „The Gatekeepers“ und „Lizenz zum Töten“ über die israelischen Geheimdienste und es wird wohl auch keine lange Zeit mehr benötigen, da werden wir mit den tatsächlichen Aufgaben der KSK konfrontiert.

Denn sie fangen an zu reden, die staatlich sanktionierten Liquidatoren. Ihre Auftraggeber und Vorgesetzten. Offenbar ist der Druck, der ihnen auf der Seele lastet, zu hoch. Es kann den Auftraggebern dieser Aktionen und das sind letztlich immer die Spitzen der Staaten, ob sie nun Obama, Netanjahu, Putin oder Merkel heißen, nicht entgangen sein, was da im Moment geschieht. Wenn israelische Kampfpiloten sich plötzlich weigern, die ihnen erteilten Einsatzbefehle auszuführen, wenn ehemalige Leiter des Schin Bet, des Mossad, der CIA, MI5, allesamt eigentlich zum ewigen Schweigen verpflichtet, an die Öffentlichkeit gehen und ihre eigenen Taten und Befehle zur Disposition stellen.

Nun reden die Amerikaner. Bisher in Deutschland noch nicht so registriert, aber sie reden.

Am 18. Januar dieses Jahres präsentierte Rick Rowley auf dem Sundance Film Festival seinen Dokumentarfilm „Dirty Wars“. Das Drehbuch dazu schrieben David Riker und eben besagter Jeremy Scahill. Letzteres macht Sinn, denn der Film bewegt sich auf seinen Spuren. Von Somalia, über Yemen, nach Afghanistan, bis nach New York und Washington, das Zentrum der Macht.

Eine Suche nach den Spuren amerikanischer verdeckter Kriegsführung. Und sie reden, die somalischen, die yeminitischen, afghanischen Warlords, aber eben auch die, die die Fäden zogen, Amerikaner. Ob Killer oder Auftraggeber.

Sie alle führen einen Krieg im Namen der amerikanischen Bevölkerung. Nur, die weiß gar nichts von diesem Krieg.

Dem will Rick Rowley jetzt ein Ende setzen. Eine Dokumentation, die mehr ist als das. Eine Detektivgeschichte, eine Abrechnung mit dem derzeitigen System der Vertuschung, der Geheimniskrämerei. Dokumentarfilm mit den Mitteln des Spielfilms.

Und Rick Rowley wäre ein schlechter Filmemacher, wenn er das was er, bzw. Scahill zu erzählen haben nicht auch noch in einen visuellen Stil packen würden, der einen schlichtweg vom Sessel haut. Natürlich ist das bewusst geschehen. Durch seine Bildkomposition, die Farbgestaltung, die er wählte, will er den Zuschauer gleich mit den ersten Bildern packen und fesseln. Das ist sein gutes Recht als Filmemacher. Wichtiger allerdings dabei ist, was er zu erzählen hat.

Wann dieser Film jemals die deutschen Kinos (ein Verleih ist noch nicht in Sicht) oder das Fernsehen erreichen wird, steht noch nicht fest. Der Film jedenfalls tingelt gerade durch die Festivals und wo er auftaucht, wird er zum Publikums und Kritiker-Hit.


gvg    

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