München darf nicht helfen

oder
Wie man Krisen schafft, um vorsätzlich
eine Politik der Abschreckung zu betreiben
und Angst vor Flüchtlingen verbreitet


Spielecke, Messehallen München, Sept.2015        




Was wir Münchner die ganze Zeit schon geahnt haben, ist nun endlich vom bayerischen 'Lagerkommandanten' Joachim Herrmann, auch als bayerischer Innenminister bekannt, bestätigt worden. Die Katze ist nun endgültig aus dem Sack.


München soll kein Drehkreuz mehr werden, alle ankommenden Flüchtlinge werden um München herum geleitet.

Man will München also unter allen Umständen isolieren.


Dem Kalkül der CSU-Regierung folgend, ist diese Entscheidung natürlich absolut verständlich, denn mit München und den Münchnern kann man beim besten Willen keine Krisensituation inszenieren, dazu ist die Stadt auf einen großen Ansturm von Hilfsbedürftigen viel zu gut vorbereitet und die einzelnen Abläufe viel zu perfekt durchorganisiert.

Das Menschenverachtende an dieser Entscheidung aber ist die Tatsache, dass man ganz gezielt die Flüchtlinge an der deutsch/österreichischen Grenze am Weiterkommen hindert, sie in der Kälte teilweise schutzlos ausharren lässt und nur immer ein paar wenige die Grenze passieren läßt.


Dieses Vorgehen ist pure Schikane, denn zurückgewiesen wird kein einziger, sondern sie werden dann auf deutscher Seite gesammelt und in die Erstaufnahmestellen weiter transportiert. Letztlich werden alle, die an der Grenze auf österreichischer Seite stehen, nach Deutschland durchgelassen. Der Vorgang wird nur mutwillig verzögert und man nimmt dabei sogar in Kauf, dass bei weiter sinkenden Temperaturen und sich verschlechternder Wetterlage diese Menschen in Lebensgefahr geraten, zumindest aber nicht unerheblich erkranken, wobei das wiederum am schlimmsten die kleinen Kinder betreffen wird.


All das müsste nicht sein, wenn man München wieder zum Drehkreuz machen und Sonderzüge einsetzen würde. München ist darauf vorbereitet, die Hilfsorganisationen sind es, die Polizei wäre es und die freiwilligen Helfer allemal.


Sollte die bayerische Regierung etwa darauf gesetzt haben, München durch Erding ersetzen zu können, wo auf dem Fliegerhorst eine Durchgangsstation für bis zu 5.000 Flüchtlingen enstanden ist und glauben, dadurch den unangenehmen Bildern und Nachrichten von Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung und menschenwürdiger Behandlung der Gäste, entgehen zu können, dann hat man auf das falsche Pferd gesetzt und nicht mit den Erdinger Bürgern gerechnet. Die haben nämlich eindeutig klargemacht, dass sie sich eher an die Münchner Maßstäbe halten werden, als an die, die die Regierung für ausreichend ansieht. Und Erding liegt in Schlagweite von München und hat längst schon von München Helfer und Spenden angefordert und bekommt die von uns auch. Seehofer hat uns also wieder an der Backe. Dazu ist der Fliegerhorst militärisches Gebiet und theoretisch hätte da der Drehhorst nichts zu melden.


Was hier von der CSU und den Hardlinern aus der CDU, aber auch auch der Bundes-SPD veranstaltet wird, ist nichts anderes als eine Schmierenkomödie. Ein Affentheater, das auf absolut inhumane Weise auf dem Rücken der Ärmsten und Schwächsten aufgeführt wird. Und wir dürfen nicht vergessen, in Serbien, in Kroatien und Slowenien stehen noch Tausende und weitere 10.000 sind im Moment von Griechenland aus Richtung Freiheit und Sicherheit unterwegs. Und sie werden sich weder von Zäunen, noch von Drohungen und Schikanen oder Waffengewalt von ihrem Weg abhalten lassen.


Es wird Zeit, dass der Vorhang über diesem niveaulosen Theaterstück endgültig fällt. Ohne Zugabe.


19.10.15  gvg  


Update vom 21.10.2015


Erstversorgung Richelstraße, München:  alles bereit, wird derzeit von der Regierung von OBB nicht genutzt

Erstaufnahmeeinrichtung Dornach, Aschheim bei München: Kapazität ca. 800, derzeit Leerstand

Erstaufnahmeeinrichtung Denisstraße, München: unregelmäßiger, realtiv geringer Publikumsverkehr, wenn dann  überwiegend nachts.

Volxküche: Die Flüchtlingshilfe München verfügt über eine eigene, mobile Küchenstation, die in der Lage ist, pro Tag ca 6.000 warme Portionen frisch zuzubereiten und auszuliefern.

Zentraler Busbahnhof (ZOB), München: Wird von Anbeginn rund um die Uhr ausschließlich von freiwilligen Helfern betreut, von hier aus reisen Flüchtlinge, vor allem Familien, alleine weiter

Weitere Erstaufnahmeeinrichtungen in festen Gebäuden könnten binnen Stunden von der Stadt München bereitgestellt und mit den freiwilligen Helfern und Hilfsorganisationen vor Ort ausgestattet werden

Erstaufnahmeeinrichtung Fliegerhorst Erding: Kapazität ca 5.000, laut Auskunft der dort tätigen Helfer sind bisher nur ca 150 Flüchtlinge angekommen.


Die Flüchtlinge, die es doch noch bis München schaffen, werden am Hauptbahnhof überwiegend von den dort rund um die Uhr tätigen freiwilligen Helfern empfangen, erstversorgt und in die jeweiligen Aufnahmestationen geleitet.


Unabhängig von den Kapazitäten der Stadt München verfügt die freiwillige Flüchtlingshilfe München über derzeit 5.000 Helfer und bei Bedarf auch wesentlich mehr.




   

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