Terrorismus von rechts?

Was nicht sein darf, kann nicht sein.


 





Na Klasse.

75 Kommissare suchen einen Täter, der 'aus Versehen', oder aus 'jugendlichem Überschwang' mal soeben eine harmlose Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft geworfen hat, weil er sich ja nur mal nen Jux machen wollte. Also, nix Schlimmes, weil Handgranaten hat ja nun jeder aufrechte Demokrat in seiner Nachttischschublade herumliegen. Ebenso, 'rein aus Versehen' brennen überall täglich/nächtlich Flüchtlingsunterkünfte. Und, mit Sicherheit auch nur ein Versehen, sind plötzlich mehr als 400 per Haftbefehl gesuchte gewaltbereite Rechtsradikale spurlos vom Radar verschwunden.

Aber keiner spricht von rechtsradikalem Terrorismus. Mitnichten, sind doch alles nur 'besorgte' Bürger, Verirrte, denen man helfen und vor allem mit denen man unbedingt reden muss.


Aber wehe, ein paar ehemalige Ex-RAF-Terroristen wagen es, einen mit Schwarzgeld vollgestopften Geldtransporter der kapitalistischen Raubritter zu knacken, dann werden gleich Meinhof, Bader, Raspe, Ensslin wieder zum Leben erweckt und die Republik bläst zum Terroristenalarm.

Dabei wollten die doch nur ihre Rentenkasse aufbessern. HartzIV beantragen, oder sich an der Tafel anstellen können die ja nun mal nicht und ihre ehemalige Tätigkeit war auch nicht sozialversicherungspflichtig.

Aber das ist typisch für dieses Schweinesystem, das die Rechten auch dann noch unterstützt und hofiert, wenn sie Straftaten begehen.

 

Aber uns, und ich sage jetzt einmal bewusst UNS, weil ich mich damals mit den grundlegenden Zielen der RAF identifiziert, sie unterstützt habe, uns stellt man heute noch als Terroristen, oder deren Unterstützer hin. Für uns gab es in dieser Situation und zu dieser Zeit aber nun einmal keine andere Alternative, als den Kampf. Wir haben damals überwiegend die falschen Ziele ausgewählt und Kollateralschäden in Kauf genommen. Das ist richtig, hätte so nie passieren dürfen und das war der grundlegende Fehler, der uns letztlich auch das Genick gebrochen hat. Aber wir haben nie derart menschenverachtende, brutale Aktionen gegen die Schwachen, die Hilflosen, die von oben als Verlierer Degradierten dieser Gesellschaft geplant oder unternommen. Das wäre uns auch nie in den Sinn gekommen. Die waren nie das Ziel unserer Politik. Im Gegenteil.Wir haben uns gegen den Staat, gegen ein unsoziales Wirtschaftssystem und deren Handlanger gestellt und uns die mächtigsten Gegner gesucht. Gelten wir deshalb als Terroristen? Uns ging es um Freiheit und nicht um Repression.


Was ist denn Terrorismus?

Eine wirklich umfassende allgemeingültige Definition gibt es nicht. Nicht einmal nach Auftreten von Al Kaida und dem IS. Was alle Versuche, eine Definition zu finden vereint, ist das Merkmal des Verbreitens von Angst und Schrecken.

Okay, wir hatten politische Ziele und haben wohl auch Angst und Schrecken verbreitet. Quasi verfiel für kurze Zeit ein kompletter Staat in Panik und teilweiser Agonie. Offenbar hat er die Panik bis heute noch nicht verarbeitet. Aber hatte der normale Bürger damals tatsächlich Angst vor uns? Wohl kaum.

Wer hat denn ehedem in den 70ern die Bevölkerung in die Panik getrieben? Wir oder der Staat? Haben sich etwa Herr/Frau Müller-Lehmann in der xy-Siedlung von uns wirklich bedroht gefühlt oder nicht eher von den entsicherten Uzis in den Händen von ebenfalls verängstigten jungen Polizisten, in deren Läufe sie alle 5 km bei Überprüfung ihrer Kleinwagen blicken durften? Wohl doch eher deswegen. Es waren nicht unsere Pistolenläufe, in die sie schauen mussten, sondern die des Staates und seiner Bediensteten. In unsere hätten sie auch nie schauen müssen.


Aber heute dürfen, ja müssen sie sich bedroht fühlen, nicht deshalb, weil auf einmal in ihrer Nachbarschaft Flüchtlinge, Fremde leben, sondern weil völlig durchgeknallte, bildungsferne Rechtsterroristen ihnen jeder Zeit eine Handgranate in den Vorgarten werfen könnten. Der besorgte Nachbar, der zu Hause die Reichskriegsflagge überm Bett, das Hakenkreuz im Wohnzimmer und den Hass auf alles, was ihm fremd ist im Herzen hat. Und das nur, weil sie vielleicht anderer Meinung als ihm, dem Rassisten nebenan sind. Rechtsorientierte, CSU, AfD und NPD wählende Bürger, die keinen Plan haben, kein Ziel, ausser der arischen Rassenerhaltung und ihre Angst vor allem, was fremd ist und sich in ihrem Sozialneid suhlen. Potentielle Massenmörder, die lieber heute als morgen die Konzentrationslager wieder 'bevölkern' würden, wenn es denn nach ihrem Willen ginge. Sollen wir denen kampflos diesen Staat überlassen?


Aber das sind ja nach heutiger Lesart keine Terroristen, man darf sie ja nicht einmal so nennen. Es sind nur deutsche 'besorgte' Bürger. Also alles ganz harmlos. Und den rechtsnationalen Hintergrund muss man erst prüfen.

Komisch, stelle ich mich heute als ebenso besorgter Bürger, nur eben aus anderen Gründen besorgt, auf offener Straße gegen NeoNazis hin, verteidige die hart umkämpfte Demokratie, habe dabei vielleicht auch noch das Pech, einem gepanzerten RoboCop aus Versehen in den Weg zu geraten, bin ich sofort als linksextremer Terrorist entlarvt.

Irgendwo ist da was faul in diesem Staat. Oder etwa nicht?

                                                                                                                                                        gvg      

                                                                                                                                                        29.01.16     



   

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