In Dresden auf Spurensuche

Mein Abend in der #PEGIDA in Dresden


Ein Stimmungsbild von Stefan Krabbes

 

 

Ich wollte mir genauer ansehen worüber seit Wochen geschrieben und berichtet wird. Was sind das für Menschen, die sich selbst Pegida nennen oder ihr hinterher rennen? Man hat ja bereits viel gehört, viel gelesen und viel diskutiert über die Pegida und deren Teilnehmende; doch wie sieht es da eigentlich aus bei und in den Menschen in Dresden?

Um mir ein paar Eindrücke zu verschaffen, entschied ich mich, mir selbst ein Bild über die Stimmung vor Ort zu machen und fuhr am 05.01.2015 nach Dresden.

Stefan Krabbes ist Mitglied des Kreisvorstandes in Anhalt-Bitterfeld und Sprecher der Landesfachgruppe Wirtschaft & Verkehr des Landesverbandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen-Anhalt


Meine Beobachtungen


In Dresden angekommen nahm ich viele Gruppen von Männern wahr. Viele von ihnen hatten Deutschlandfahnen in der Hand. Ein anderer Herr trug voller Stolz ein AfD-Plakat vor sich her. Den Weg zur Pegida-Demo zu finden fiel nicht sonderlich schwer, da ich nur der immer größer werdenden Gruppenansammlung folgen musste. Viele dieser Herren – gerade die im Alter von 25 – 40 – trugen die Haare recht kurz, waren körperlich trainiert und hatten einen Faible für dunkle bzw. schwarze Kleidung. Aber dies war natürlich nicht bei allen der Fall – wenngleich sie dennoch einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtveranstaltung hatten. Der Ein oder Andere trank auf dem Weg noch eben ein Bier. Die älteren Herren trugen normale Alltagssachen, die nicht weiter verfänglich waren.

Auf der Cockerwiese angekommen stellte ich dann fest, dass der Frauenanteil auffallend gering ausfiel. Der Frauenanteil am Abend des 05.01.2015 lag bei geschätzten 10 Prozent. Wenn Frauen vor Ort waren, dann tendenziell mit Ehemann. Dieser gab zumeist die politischen Äußerungen von sich. Die Ehefrau blieb die nette Begleitung. Männliche und weibliche Jugendliche waren zwar anwesend, aber stellten keine nennenswerte Größe dar.

Die Kundgebung der PEGIDA mutierte zu einem Meer aus Fahnen und Schildern. Die Fahnen waren eine Mischung aus Fahnen von Landkreisen, Bundesländern und anderen Staaten. Interessant dabei zu beobachten: obwohl es sich (nach eigenen Angaben) um Proeuropäische Bürgerinnen und Bürger handelt, sah ich nicht eine einzige Europafahne, dafür aber viele Deutschlandfahnen. Das wirft Fragen auf.

Die Slogans der gebastelten Schilder der besorgten Bürgerinnen und Bürger lauteten beispielsweise: „Freital – Zimmer belegt!“ oder „Patriotismus bedeutet nicht Hass auf andere Staaten, sondern Liebe zum eigenen“.

Die Demo fand ihren Anfang. Eine Initiatorin leitete mit einer Belehrung ein, wonach Glasflaschen und alkoholische Getränke auf der Demo verboten seien, was einige „Kameraden“ wie sie sich selbst bezeichneten, davon jedoch nicht abhielt das ein oder andere Bier zu trinken. Dem folgte eine Ermahnung, dass kriminelles Verhalten von Demo-Teilnehmenden ebenso wenig geduldetet ist wie Pseudojournalisten. Eine interessante Gleichsetzung, wie ich fand.


Die Redebeiträge begannen. Es wurden verschiedene Dinge angesprochen. So solle „Ausländerfreundlichkeit gleichsam Deutschfeindlichkeit bedeuten. Deutschland hat eine Asylindustrie. Für nationale Interessen einstehen. Andere Europäische Völker erwachen. Deutsche Politiker haben ein Verfallsdatum, nicht aber die PEGIDA. Die PEGIDA-Teilnehmenden werden kriminalisiert und sind die eigentlichen Opfer. Bezahlte Gleichmacher.“ Das ist nur eine Auswahl von Wortfetzen. Natürlich gab es auch wieder Kommentierungen zur Leistung der Deutschen Medienlandschaft Stichwort Lügenpresse oder zur Gleichsetzung des Islam mit Kriminalität und Terror. Interessante Zitate waren hier: „Die ersten Kirchen sollen bereits als Moscheen nutzbar gemacht werden“, „Den Namen der SPD-Generalsekretärin will ich nicht aussprechen“ oder „Die Islamisierung vertreibt das Schweineschnitzel aus den Schulkantinen“.

Ein Fauxpas eines Redners war im übrigen ein Satz: „Ich bekämpfe diesen Staat bereits seit 10 Jahren … <kurze Pause> … in diesem Staat schon seit 10 Jahren gegen Rassismus.“



Meine Schlussfolgerungen


Nun mag man meinen, dass das ja alles aus dem Zusammenhang gerissen ist und dass man das ja im Kontext hören müsse. Die harte Realität ist aber nun einmal, dass diese Äußerungen während der Kundgebung der PEGIDA am 05.01.2015 in Dresden – einem nasskalten und vernieselten Montagabend – so gefallen sind. Gleichsam waren es aber auch die Aussagen, die die meiste Zustimmung per Akklamation oder Anwesenheit fand.

Die PEGIDA scheint mir eine vornehmlich männliche Bewegung zu sein, deren Angst es ist, mit einer sich modernisierenden Gesellschaft nicht mehr umgehen zu können. Es werden Scheinkausalitäten akzeptiert sobald sie stimmig klingen und als Wahrheit eingestuft. Lügen sind dann all das was nicht mehr passt. Es scheint als wollten sie ein Puzzle zusammenfügen das aus etlichen anderen Puzzeln besteht, um ein Motiv zu erhalten, das irgendwie zu passen scheint. Es fällt ihnen schwer die Komplexität (unserer Welt) zu erfassen und damit umzugehen. Stereotype und Feindbilder dienen dabei zur Festigung und zur Unumstürzbarkeit der eigenen Argumentation.

Für die PEGIDA als Bewegung lässt sich sagen, dass nun versucht wird seitens der Organisation von PEGIDA – nach der Formierung des Protests – nun eine Formung der Teilnehmenden vorzunehmen. Es werden hier verschiedene Strömungen gebündelt: Verschwörungstheoretiker, Amerika-Hasser, Putinfreunde, „Friedensbewegte“, Rassisten, Rechtsextreme, Montagsdemonstranten, etc. Ich konnte mich auch daher des Eindrucks nicht verwehren, dass man nicht nur außerparlamentarische Opposition, sondern Systemopposition sein will; eine – wie ich finde – verfassungsfeindliche Zielstellung.

Für mich steht nach diesem Abend fest, dass PEGIDA nicht aus besorgten BürgerInnen besteht und nicht aus ProeuropäerInnen, sondern aus einer Vielzahl von Unzufriedenen, die das Gefühl haben in verschiedenen Lebenslagen zu kurz gekommen zu sein, die sich unter der Decke des Rassismus kameradschaftlich die Hand reichen.

Ich habe diesen Test gemacht, um sich selbst überzeugen zu können, wie es so vor Ort aussieht, wie ich es eingangs schon schrieb und kam zu der Überzeugung, dass in der Tat nicht alle Nazis sind, aber dafür viele von ihnen offensichtliche oder latente Rassisten.

Dafür kann ich kein Verständnis haben und werde solche Äußerungen auch weiterhin auf friedlichem Wege bekämpfen und hoffe, dass viele von euch, die ihr den Text vielleicht gelesen habt, dabei mithelfen, dass wir in einer offenen liebenswerten Welt leben können ohne Hass und Rassismus und Angst a la PEGIDA.

Es lohnt sich.



zuerst veröffentlicht auf : http://stefan-krabbes.de/?p=237#more-237    




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