Köln

Desaster oder Neuanfang?


 





Über die Inkompetenz der Politik, wie sie seit dem erhöhten Aufkommen der hier Schutzsuchenden immer deutlicher wird, kann man nur noch den Kopf schütteln. Was in Berlin, aber auch in den Landesregierungen derzeit entschieden wird, hat nichts mehr mit verantwortungsbewusster, problemlösungsorientierter Politik zu tun, sondern stellt sich nur noch als eklatante Hilfslosigkeit, gepaart mit blindem Aktionismus dar.

Es war schon immer so, wenn der Politiker nicht mehr weiter weiß, dann ruft er nach neuen Gesetzen oder Verschärfung der vorhandenen, statt endlich einmal die Lösung der Probleme anzugehen, die dazu führen, dass Gesetze überhaupt verletzt werden können.

Nur dazu müsste man auch bereit sein, einzugestehen, dass man in der Vergangenheit falsche Wege eingeschlagen, Fehler gemacht hat.

 

Jahrzehntelang hing man einem träumerischen, völlig illusorischen Multikulti-Begriff hinterher, ein Großteil tut es noch heute, vor allem bei den Grünen, hat aber nie beachtet, dass diese Vorgabe, solange man sie nicht klar definiert und dazu gehören auch klare Grenzen, geradewegs in die Etablierung von Parallelgesellschaften führt, die eine erfolgreiche Integration torpedieren und ad absurdum führen. Diese Parallelgesellschaften sind auch keine Erfindung eines Heinz Buschkowsky aus Neukölln, sondern Realität. Wenn ein Teil der türkischstämmigen Bevölkerung sich nach jahrzehntelangem Aufenthalt nach wie vor komplett abschottet und noch so lebt, oder zumindest versucht, so zu leben, als wäre sie immer noch in ihrem anatolischen Dörfchen, dann muss das zwangsläufig zu Kollisionen führen. Das hat auch nichts mehr mit Multikulti zu tun, mit Integration schon gar nicht, denn die ist in diesen Fällen längst schon komplett gescheitert, sondern bedeutet Isolation. Man darf sich also nicht wundern, wenn ein solches Verhalten bei der hiesigen Durchschnittsbevölkerung auf Misstrauen, bis hin zu einem Abwehrverhalten führt. Die Verantwortung dafür kann man aber nicht allein auf diesen Teil der Bevölkerung abschieben, denn wir haben sie dazu ermuntert, sie darin bestärkt und die Möglichkeiten geschaffen und sind gerade dabei, bei den Neuankömmlingen genau den gleichen Fehler zu begehen.

 

Nicht viel anders verhält es sich bei dem Satz: 'Der Islam gehört zu Deutschland'. Klingt so toll, so human, so weltoffen und so multikulti und ist so derart hohl.

Welcher Islam ist damit gemeint? Bittet man 6 Muslime um ihre Definition von Islam, hat man in kürzester Zeit mindestens 9 Versionen zur Hand. Nach jedem einschlägigen Vorfall mit islamistischem Hintergrund kommen aus jeder Ecke sofort die Beteuerungen: 'Das hat nichts mit dem Islam zu tun'. 'Das ist nicht mein Islam, oder unserer'.

Welcher denn nun? Wer entscheidet das denn eigentlich? Die Sunniten? Die Schiiten? Etwa die Wahabiten oder gar die Salafisten? Wer bitte hat denn die Deutungshoheit, was Islam bedeutet, was dazu gehört und was nicht? Der Koran etwa? Den legt jeder aus, wie er ihn gerade braucht.

Gehört der Islam etwa zu Deutschland, weil man einmal im frühen Mittelalter von einer sich unter dem damalig existierenden und insoweit weltoffem Islam auf wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet existierenden Entwicklung profitiert hat? Wohl kaum. Zumal unter der Ägide der heutigen, vom Islam beeinflussten Gebiete davon nichts mehr zu spüren ist. Der Islam, wie er sich heutzutage weltweit präsentiert ist nun einmal antiquiert und in, uns mittelalterlich anmutenden Verhaltensweisen gefangen. Daran ändern auch kleine Gruppierungen von aufgeschlossenen, modernen Muslimen nichts. Die westlich orientierte Gesellschaft wird daran auch nichts ändern können, weder mit Gewalt, noch mit Gesetzen. Diese Veränderungen müssen von innen heraus erfolgen. Diese Entwicklung kann man nur dadurch begleiten, indem man für bessere Bildung und stärkere Unabhängigkeit sorgt.

Warum traut man sich also nicht, steckt klare Grenzen ab und erklärt eindeutig, die religiöse Ausübung ist bei uns zwar durch das Grundgesetz geschützt, von weiten Teilen der Scharia allerdings muss sich jeder verabschieden, wenn er hier leben will.

 

Man diskutiert gerade jetzt wieder nach den Kölner Vorfällen über sexuelle Gewalt. Es ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, dass diese Diskussion überhaupt noch geführt werden muss. Der Diskussion über ein, in den Augen der hiesigen Gesellschaft rückständiges vom Islam geprägtes Frauenbild allerdings weicht man aus.

Warum? Weil man niemandem zu nahetreten will? Weil dieses rückständige Frauenbild des Islam, das ebenfalls Auslöser für Übergriffe auf Frauen ist, nach wie vor in der hier existierenden Parallelgesellschaft gepredigt und an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird, man aber, wenn man sich dagegen wehrt, glaubt, nicht mehr als multikulti durchzugehen? Nicht mehr als weltoffen gelten kann?

Wird man etwa schon zum Rassisten, wenn man einem türkisch, afghanisch, syrischen, oder maghrebinischen Möchtegernmacho sein Fehlverhalten um die Ohren haut? Das kann es nun wirklich nicht sein. Auch wenn er nichts anderes gelernt haben will, weil man in seiner Familie glaubt, er müsse nach altbewährten Traditionen erzogen werden. Es ist ja nun nicht so, dass diese gleichen Verhaltensweisen nicht auch in deutschen Familien Tradition hätten, aber wenn, dann bitte alle in einen Topf und nicht den einen damit entschuldigen, er könne nichts dafür, weil er einem anderen Kulturkreis entstammt.

Wieso nimmt man eigentlich die diversen existierenden muslimischen Verbände nicht stärker in die Pflicht und macht ihnen klar, dass es vorrangig ihre Aufgabe ist, mit diesen antiquierten Frauenbildern aufzuräumen? Sie beteuern zwar ständig, sie würden es machen, aber passiert das auch tatsächlich? Den Ergebnissen nach zu urteilen, wohl kaum.

Die Politik traut sich nicht,  klare Vorgaben zu machen und führt lieber unsinnige Kopftuchdebatten.

Aber nicht das Kopftuch ist entscheidend, sondern der Kopf, der sich darunter verbirgt.

 

Die traurige Erkenntnis, diese Gesellschaft muss man nicht mehr spalten, sie ist es schon längst. In Gutmensch oder Bösmensch, je nachdem für welche Seite man sich entscheidet. Verbohrt sind beide Seiten, gefangen in ihren Ideologien, ihren Lebensträumen. Und der Graben dazwischen wird von Tag zu Tag breiter und tiefer.

Die einen voller Angst, voller Hass, voller Abscheu vor allem, was ihnen fremd erscheint, mit dem sie nicht umgehen können, die anderen gefangen in ihrer gnadenlosen Naivität und political correctness und in ihrem Bestreben nach Friede, Freude, Eierkuchen, Weltfrieden und unabdingbarem Bleiberecht. Und jeder Flüchtling muss ein Engel sein.

Der Realität aber weichen beide Seiten aus.

Wie die Politik, die sich nicht anders zu helfen weiß, als neue Gesetze zu erfinden und vorhandene zu verschärfen.

Gesetze können aber nur die Folgen sanktionieren, Ursachen kann man damit nicht bekämpfen.

 

Die Vorfälle in Köln und in den anderen Städten, so unerträglich sie auch für die betroffenen Opfer sind, eröffnen auch eine Chance. Eine Chance, endlich grundlegende Veränderungen auf den Weg zu bringen. Die werden wir dringend brauchen, wenn wir in Zukunft nicht im Chaos versinken wollen.

Mit Schönfärberei und -rederei ist das nicht zu schaffen. Statt ständig nur zu reagieren und Löcher zu stopfen, müssen wir endlich wieder agieren.

Was wir jetzt brauchen sind zielführende Debatten, keine gegenseitigen Schuldzuweisungen. Wir müssen uns von gescheiterten Vorsätzen und Strukturen lösen und Platz für neue Konzepte schaffen. Dazu gehört auch die Bereitschaft zu harten Schnitten. Und vor allem Mut, völlig neue Wege zu beschreiten.

 

gvg      

                                                                                                                                                        13.01.16     



   

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