Stanislaw, der Verschwörer

 

 


Eigentlich müssten sie es ja schon auswendig können, so lange, wie sie schon auf der Politbühne stehen, aber so einem Vollblutpolitiker ist die vorsätzliche Vergesslichkeit heilig.


„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ war Konrad „der Alte“ Adenauers Wahlspruch, den er auch zur Staatsräson erkor und nachdem jeder in der CDU sich irgendwie als Enkel des Cadenabbia-Hütchen tragenden Urgesteins fühlt, lebt dies als Staatsräson fröhlich weiter. Und der Spruch ist so gut und derart vielfältig einsetzbar, dass auch die Erben von Willy Brandt und Theodor Heuss ihn in sich einsogen und beschlossen, künftig nach dieser Devise zu verfahren.


Doch zurück zu Konnys Erben. Der sächsische Stanislav ist so einer. Auch Tillich genannt. Sorbische Blockflöte aus Neudörfel und Hoffnungsträger einer bis in die Haarspitzen durchkorrumpierten Regierungspartei im Freistaat Sachsen.

Jetzt hat Tillich schon des öfteren geschworen und beeidigt, aber haften geblieben ist es irgendwie nicht. Und weil man als Politiker ja aus Prinzip vergesslich ist, nein, vergesslich sein muss, braucht man, wenn man telegen im Landtag den rechten Arm hebt – Um Gottes Willen, nicht um das zu machen, was Sie jetzt denken, soweit sind wir noch nicht – um einmal wieder zu schwören, was man 5 Sekunden danach wieder vergessen hat, braucht man einen Einflüsterer, einen Souffleur, einen lebenden Teleprompter.


Als Tillichs Teleprompter fungierte Matthias Rößler, seines Zeichens Landtagspräsident und durch zig Ministerämter professionalisierter Verschwörer. Und Rößler meinte es gut mit seinem Partei- und Busenfreund Tillich. Schließlich kann er ihn doch nicht schwören lassen, was er gar nicht einzuhalten gedenkt, muss sich Rößler wohl fürsorglich gedacht haben und strich kurzerhand ein paar grenzwertige Worte aus dem Amtseid raus. Was auch den wackeren Stanislav nicht weiter störte, denn schließlich hatte der Rößler ja Recht.


Jetzt hat ja so ein Amtseid nicht die Dimension eines Hamlet’schen Monologs. Könnte man auch auswendig lernen, macht man aber nicht, weil man als Politiker schließlich der Vergesslichkeit verpflichtet ist.

Außerdem, wird sich Tillich gedacht haben, warum soll ich etwas schwören, was ich gar nicht will. Da bekommt man hinterher nur unnötigen Ärger.


Es sind ja auch nur vier unbedeutende Worte, die man da gerne unterschlagen möchte. '…Schaden von ihm abwenden….'.So etwas nimmt man als ehrenhafter Mensch und Politiker nicht in den Mund. Und schwören schon mal gar nicht. Da müsste man ja lügen.

Wenn mit ‚ihm‘ sein, also Tillichs Schaden gemeint wäre, ja, dann könnte man das voller Inbrunst schwören. Aber dummerweise ist das gemeine Volk damit gemeint und das will und muss ja geschädigt werden. Das macht man natürlich nicht gerne, vor allem gibt man es ungern öffentlich zu, aber dieses Procedere ist wohl alternativlos.


gvg    







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