Warum wir Charlie sind

und sein sollten

 


Weil sich viele bemüßigt fühlen, etwas gegen diese Aktion: "Je suis Charlie" sagen zu müssen und meinen, jetzt unbedingt postulieren zu müssen, dass sie nicht Charlie sind.

Es ist keiner gezwungen worden, sich dieser Aktion, die ja aus einer Einzelbekundung eines französischen Art-Direktors heraus entstanden ist und dann zu einer wahren Welle wurde, die leider auch missbraucht wurde, anzuschließen. Warum also jetzt hergehen und betonen, Ich gehöre nicht dazu?


Ich bitte, nur zu berücksichtigen, dass in Frankreich diese Karikaturisten um Cabu und Wolinski eine Bedeutung haben, die man vielleicht hier in Deutschland nicht so versteht.
Einige dieser Zeichner, die nun nicht mehr zeichnen können, haben uns seit unserer Jugend begleitet und sie haben uns auch beigebracht, keine Angst zu haben, keine Angst vor nichts und niemand. Menschen die uns nicht nur gesagt, sondern auch vorgelebt haben, dass es richtig ist, zu seiner Meinung zu stehen und diese auch offen zu sagen, egal, wem gegenüber und nicht nachzufragen, nützt mir das jetzt oder schadet es mir. Diese Fragen stellt sich die Meinungsfreiheit nicht, darf sie sich auch nicht stellen, denn in dem Moment, in dem ich anfange, zu überlegen, ob meine Meinung opportun ist und ich besser schweigen soll, habe ich die Freiheit der Meinung schon verraten.


In Frankreich haben diese Charlie Hebdos ganze Generationen begleitet und geprägt. Stellen Sie sich vor, man hätte auf einen Schlag die Berliner Stachelschweine, die Münchner Lach & Schieß und das Düsseldorfer Kommödchen ermordet, dann können Sie vielleicht nachvollziehen, was Franzosen bei dieser Nachricht empfunden haben und warum sie lautstark skandieren: Nous sommes Charlie! Und das ist der Unterschied zu Deutschland. Die jungen Franzosen kennen sie alle noch und lasen sie, die jungen Deutschen kennen nur noch ihren Mario Barth und ein Dieter Hildebrandt ist für sie ein Buch mit sieben Siegeln und von einem Werner Finck haben sie nie etwas gehört, gesehen, gelesen.


Aber der Anschlag am 07. Januar galt nicht nur den Machern von Charlie Hebdo, sondern einer Gesellschaft, die ein friedliches Miteinander aller Kulturen will und fördert und deshalb gilt dieses "Nous sommes Charlie" auch allen, die friedlich in einer solchen Gesellschaft MITeinander und nicht NEBENeinander leben wollen, egal ob Christ, Atheist, Jude, Moslem, Buddhist oder sonstwer.


gvg          







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